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Juristin klagt auf Aberkennung ihres Magisterdiploms

Listopad 26, 2011 Dodaj komentarz

Krakau.

Mit einer ungewöhnlichen Klage überraschte die 32-Jährige Paulina S. das Landgericht Krakau. Die diplomierte Rechtsanwältin klagte gegen die Universität Krakau auf Aberkennung ihres Magisterdiploms. Begründung: Sie habe nach ihrem Studium kein einziges Buch mehr gelesen und sehe sich außerstande wissenschaftlich zu arbeiten. Ähnlich wie ältere Autofahrer, die aus Gründen der Selbst- und Fremdgefährdung ihren Führerschein abgeben können, möchte sie ihr Diplom zurückgeben. Die offizielle Aberkennung solle mit der Möglichkeit einhergehen, den Titel später zurückzuerlangen.

Paulina S. ist kein Einzelfall. Im Oktober 2011 erschien der diplomierte Ökonom Maciek P. im Dekanat der SGH Warschau und knallte dem verdutzten Dekan sein Magisterdiplom auf den Schreibtisch. Aufgebracht erklärte er, dass er in seinem Studium nur „Müll“ gelernt habe. Mittlerweile habe er herausgefunden, dass die gegenwärtige Ökonomie überhaupt keine Wissenschaft sei. Maciek P. kritisierte, dass er in seinem Studium nichts über die Geldschöpfung gelernt habe. Auch die verheerende Kraft des Zinseszinses sei nie zur Sprache gekommen. Schließlich verlangte der arbeitslose Familienvater vom Dekan eine offizielle Bestätigung seines Verzichtes auf den so genannten Magistertitel.

Etwas anders gelagert war ein Vorfall an der Uni Wroclaw. Hier brach eine frühere Studentin während ihres Besuches im Dekanat in Tränen aus. Nachdem sie sich beruhigt hatte, erklärte sie – ähnlich wie die Krakauer Juristin – dass sie nach dem Abschluss ihres Anglistikstudiums nichts mehr gelesen habe außer der Fernsehzeitung und des ersten Bandes von Harry Potter. In der letzten Zeit habe sie Gewissensbisse bekommen und daher das Gespräch mit dem Dekan gesucht.

Vor drei Wochen fällte nun das Landgericht Krakau das Urteil bezüglich der Klage von Paulina S.
Die Klage wurde abgewiesen. In der Begründung hieß es, das Magisterdiplom sei ein Titel auf Lebenszeit, dessen Gültigkeit an keine zukünftige geistige Leistung geknüpft ist. Eine Aberkennung sei nur im Falle eines nachgewiesenen Betruges (Plagiates) vorgesehen. Der Richter merkte zudem an, dass es bezüglich der Magister-Urkunde keine Aufbewahrungs- und Vorzeigepflicht gäbe, wie etwa im Falle des Personalausweises. Der Klägerin stünde es daher frei, das Zeugnis beispielsweise in der Toilette aufzuhängen oder es dort zu verwenden. Dennoch konnte die Juristin einen Teilerfolg verbuchen. Das Gericht wies das Bildungsministerium an, eine Nachprüfung zu entwickeln, die es jedem an sich zweifelnden Universitätsabsolventen ermöglicht, sich von der Rechtmäßigkeit seines Titel zu überzeugen. Jedem Absolventen müsse  gewährleistet werden, sich und der Universität hinsichtlich seiner weiterhin vorhandenen intellektuellen Leistungsfähigkeit Gewissheit verschaffen zu können

Das Bildungsministerium ist der Aufforderung mittlerweile nachgekommen und hat eine Kommission eingesetzt, die mit der Entwicklung der „Nachprüfung“ betraut wurde. Ein erster Entwurf liegt vor. Jeder Fakultätsrat hat ein kanonisches Werk benannt, das der Prüfling lesen muss und zu dem er ein 15-seitige wissenschaftliche Arbeit verfassen muss. Dafür hat er / sie drei Monate Zeit (berufstätige Mütter 6 Monate).

Hier der aktuelle Entwurf:

Liste kanonischer Werke im Rahmen der Prüfung zur Bestätigung der Gültigkeit des Universität-Diploms:

Anglistik – Joanne K. Rowling: Harry Potter Bd. 1-3
Biologie – Harry Koch: Das große Buch der Gartenkräuter (Hamburg 2009)
Chemie – Ephraim Schmidt: Nitroglycerin, eine Substanz lernt fliegen (Tel Aviv 2008)
Neuere Geschichte (fimanalytisches Essay:) Rommel der Wüstenfuchs, USA 1951
Ältere Geschichte: Heinrich Kramer: Der Hexenhammer (1486)
Katholische Religion:  (fimanalytisches Essay:) Drei Engel für Charlie
Pädagogik: Peter Rasch: Uwe will nicht sitzen – ADHS in Theorie und Praxis (Frankfurt 2005)
Psychologie: Rudi Mentär: Vom Kühlschrank zur Toilette – und zurück. (Berliner Beiträge zur Bulämieforschung 2004)
Physik: Leszek Wielblandowski: Atomkraft – saubere Energie für morgen und übermorgen (Tokio 2011).

Die Prüfungen sollen ab Mai 2012 an jeder Universität angeboten werden. Die Prüfungsgebühren betragen 400 Zloty.

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