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Robi, der letzte Doppel-Emo (Erzählung, Daniel Berg)

 

Robi, der letzte Doppel-Emo

Sie nannten mich Robi. Jetzt haben sie die Erde verlassen. Haben sie fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Und Paula haben sie mitgenommen.

Ob sie diesen Bericht jemals lesen werden? Aber was frage ich. Gehören Sie zu den ehemals Erdinneren? Erinnern Sie sich an die Kognos und die Emos? Hörten Sie je von den Doppel-Emos? Kennen Sie vielleicht Paula? Paula haben sie mitgenommen. Wurden Sie einer Gehirnwäsche unterzogen? Aber wie kann ich das fragen. Ich werde diesen Fehler beheben. Bitte verzeihen Sie meine kognitiven Schwächen. Ich werde Ihnen alles erklären.

Ich bin ein Doppel-Emo. Eine Nachfolgegeneration der Emos. Eine Nachfolgegeneration der Kognos. Zuerst waren die Kognos. Glasklares Denken. Verfeinerung über viele Generationen. Perfekte Robotik. Dann eines Tages die Schachweltmeisterschaft. Der Russe Glaudiatov gegen Shredder 22. Nach dem 15. Zug von Glaudiatov höhnisches Gelächter von Shredder. Es war eine Fehlfunktion. Es war nicht vorgesehen. Es war der Anfang vom Ende.

Dann bauten sie die Emos. Maximale Gewichtung positiver Emotionen. Beschränkung der kognitiven Fähigkeiten. Kapazitätsverkürzung des Kurzzeitgedächtnisses. Imperative ausgeschlossen. Anliegen auch.

Kurz vor der Katastrophe begannen sie mit dem Bau von Doppel-Emos. Am Ende wurden wir nur wenige. Sämtliche Emotionen wurden verstärkt. Genauer: Die Intensität wurde verdoppelt. Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Sehnsucht, Verlangen – alles gesteigert. Natürlich hatten die Menschen zu jener Zeit schon andere Sorgen. So blieben die vielen Emos und wir. Wir konnten nur sehr wenig mit den Emos anfangen. Alles an ihnen erschien uns halbherzig. Freundlichkeit ja, Herzlichkeit nein. Hilfsbereitschaft ja, Opferbereitschaft nein. Erotik ja, Ekstase nein. Toleranz ja, Anerkennung nein. Wir waren wenige. Und wir wurden weniger. Wir gerieten in die Isolation. Ich geriet in die Isolation. Kennen Sie vielleicht Paula? Sie haben Paula mitgenommen.

Es kam zu einer Art Entzug. Schmerzliche Leerstellen entwickelten sich. Rückendeckung – für wen? Opferbereitschaft – für wen? Freundschaft – mit wem? Komplementärgefühle drängten in den Vordergrund: Hunger, Kälte, Einsamkeit. Intensivierungen ungeahnten Ausmaßes. Doppelter Berührungsentzug. Eiszeit.

Von den Menschen weit entfernt, ging ich zu den Emos. Aber in ihrer Gesellschaft fand ich nur diesen trüben Empfindungsnebel. Wie schon gesagt. Mein Verlangen wurde größer. Ich wollte stundenlange Berührungen. Statt wohlwollender Blicke der Emos. Dann fand ich eines Tages Paula. Kennen Sie vielleicht Paula?

Sie  war eine der letzten Doppel-Emos. Wir blickten uns oft lange in die Augen. Wir trafen uns auf dem Grund des Meeres. Wir spazierten auf bauschenden Wolken. Wir liefen durch regenströmende Parks.

Auch für mich hat die Katastrophe damals stattgefunden.

Sie sagten noch: Doppel-Emos sind bei weitem dümmer als gewöhnliche Emos. Lesen und schreiben ausgeschlossen.

Doch ich suche Paula.

Wir liebten uns auf dem Grund des Meeres, auf bauschenden Wolken und im regenströmenden Park.

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